LGD Gaming startet bei The International 2026 in Shanghai mit einem Midlaner, den vor einer Woche niemand auf dem Zettel hatte. Am 10. August bestätigte die Organisation, dass der zweifache TI-Champion Topias „Topson“ Taavitsainen zum Roster stößt – einen Tag, nachdem Santiago „TaiLung“ Agüero Gustavo nach einer Untersuchung wegen eines Verstoßes gegen die Wettbewerbsintegrität vom Turnier ausgeschlossen wurde.
Für ein Team, das sich souverän durch die südamerikanische Qualifikation gespielt hatte, ist das ein harter Bruch. LGD erklärte, man habe Hinweise auf einen möglichen Integritätsverstoß des 17-jährigen Midlaners erhalten, eine interne Prüfung eingeleitet und den Fall an die Turnierveranstalter übergeben. Diese schlossen TaiLung anschließend von TI 2026 aus, PGL ging mit einer dauerhaften Sperre für sämtliche eigenen Events noch weiter. Weder die Organisation noch die Veranstalter haben öffentlich gemacht, was dem Spieler konkret vorgeworfen wird. TaiLung selbst hat sich zu Wort gemeldet: Sein Schweigen sei kein Eingeständnis, er werde die Sache über seinen Anwalt klären.
Ein zweifacher Champion kehrt zurück
Topsons Comeback gehört zu den unwahrscheinlichsten, die die Dota-2-Wettszene je gesehen hat. Der 28-jährige Finne holte 2018 und 2019 mit OG zwei Aegis of Champions in Folge, wurde 2024 mit Tundra Esports Dritter bei TI und zog sich danach aus dem Wettbewerb zurück – mit Verweis auf die Familie und den finnischen Wehrdienst. Nun kehrt er ausgerechnet bei dem Turnier zurück, das ihn groß gemacht hat, und zwar im Trikot jener Organisation, die OG 2018 im Grand Final geschlagen hatte.
Das LGD-Roster für TI 2026:
- Yuma – Carry
- Topson – Midlane
- Wisper – Offlane
- Thiolicor – Soft Support
- KJ – Hard Support und Captain
Die vier Spieler um Topson herum sind der frühere HEROIC-Kern, der beim letztjährigen International die Top sechs erreichte – das beste Ergebnis, das je ein südamerikanisches Team bei dem Event geschafft hat. Die Qualifikation dominierte LGD, bei BLAST Slam VII stand das Team im Finale. Beim Esports World Cup und beim 1win Essence II, den letzten beiden Tier-1-Stationen vor Shanghai, ließ die Form dagegen deutlich nach.
Was das für die Quoten heißt
Späte Roster-Wechsel gehören zu den am schwersten zu bepreisenden Faktoren, und Esport-Buchmacher reagieren darauf meist mit größeren Margen, bis sie das Team spielen gesehen haben. Zwei Kräfte ziehen hier in entgegengesetzte Richtungen. Topsons Leistungsspitze ist enorm, und sein Heldenpool ist ungewöhnlich genug, um Gegner im Draft tatsächlich zu überraschen. Dagegen steht: fast zwei Jahre ohne Wettkampfmatch, ein spanisch- und portugiesischsprachiger Kern, zu dem er wenige Tage vor dem größten Event des Jahres stößt – und die Kommunikation im Midgame ist genau die Stelle, an der zusammengewürfelte Rosters brechen.
Wahrscheinlicher ist deshalb, dass LGDs Outright-Quote steigt statt fällt und dass sich die Linien nach den ersten beiden Serien der Gruppenphase spürbar bewegen. Wer das Turnier eng verfolgt, findet die größten Preisunterschiede meist in den ersten Tagen. Mehrere Anbieter zu vergleichen und, wo verfügbar, Esports-Wettboni zu nutzen, ist sinnvoller, als sich früh auf ein Team festzulegen, dessen Form noch niemand gesehen hat.
Die Integritätsfrage hinter der Schlagzeile
Die größere Geschichte betrifft weniger ein Roster als ein Muster. TaiLungs Sperre kommt keinen Monat, nachdem die Esports Integrity Commission während des Esports World Cup zwei weitere südamerikanische Dota-Persönlichkeiten vorläufig suspendiert hatte. Für alle, die auf die Szene wetten, heißt das: Die Kontrolle wird strenger – und Märkte auf Matches unterer Ligen, wo die Aufsicht am dünnsten ist, tragen ein Risiko, das sich mit Formanalyse nicht abbilden lässt.
TI 2026 startet in den kommenden Tagen in Shanghai. LGDs erste Serie dürfte zu den meistbeachteten der gesamten Gruppenphase gehören.
Related:
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.











