LGD Gaming haben auf das Kader-Karussell nach The International mit der bislang auffälligsten Verpflichtung der Offseason geantwortet. Die chinesische Organisation holt gleich zwei Aegis-Sieger, Midlaner Syed Sumail „SumaiL” Hassan und Support Wu „Sneyking” Jingjun, in ein komplett neu zusammengestelltes Dota-2-Lineup, das bei PGL Wallachia Season 9 in Bukarest sein Debüt gibt – dem ersten Tier-1-Event seit dem TI 2026 in Shanghai.
Neuaufbau um einen einzigen Verbliebenen
Vom Kader, mit dem LGD beim TI 2026 antraten, ist nur noch einer übrig: der brasilianische Soft Support Thiago „Thiolicor” de Oliveira Cordeiro. Um ihn herum hat die Organisation ein wahrlich internationales Team gebaut. Der peruanische Carry Máximo „Wits” Orozco Alza kommt von PlayTime, der belgische Offlaner Cedric „Davai” Deckmyn wechselt von Nigma Galaxy, SumaiL übernimmt die Midlane und Sneyking rückt als Hard Support ein – und aller Voraussicht nach als derjenige, der die Calls macht. Auf der Trainerbank sitzt mit Kanishka „BuLba” Sosale einer der erfahrensten Coaches der nordamerikanischen und europäischen Szene.
Aufgetaucht ist das Lineup zunächst auf der Teamliste des Turniers statt über eine große Ankündigung – was zur Lage bei LGD passt. Die Verträge des alten Kaders liefen nach dem TI15 aus, und schon vor Shanghai war die Organisation zu einer Notlösung gezwungen, als Santiago „TaiLung” Agüero Gustavo wegen eines Integritätsverstoßes gesperrt wurde und der zweimalige TI-Sieger Topson als Stand-in einsprang. Dieses Kapitel ist nun abgeschlossen, SumaiL erbt die Midlane.
SumaiLs Rücktrittsgedanken hielten rund vier Wochen
Der 27-jährige Pakistaner ist der jüngste TI-Champion der Geschichte und einer der erfolgreichsten Midlaner, die das Spiel je hervorgebracht hat. Sein Sommer endete mit einem Top-6-Platz an der Seite von Nigma Galaxy in Shanghai, wo eine 1:2-Niederlage gegen BoomBoys im Lower-Bracket-Viertelfinale einen Lauf stoppte, der durchaus Richtung Top 3 hätte führen können. Im Interview danach klang SumaiL wie jemand, der seine Zukunft abwägt, und stellte offen in den Raum, dass das TI 2026 sein letztes Turnier sein könnte.
Dieser Gedanke hat ein ernsthaftes Angebot offensichtlich nicht überlebt. LGD bekommen einen Midlaner, der Spiele noch immer allein entscheiden kann, und SumaiL spielt weiter neben Davai, seinem Offlane-Partner aus dem Nigma-Lauf beim TI. Für Wettende ist genau diese Kontinuität relevant: Ein Mid-Off-Duo mit monatelanger gemeinsamer Kommunikation ist eine der wenigen bekannten Größen in einem ansonsten brandneuen Team.
Sneyking landet nach dem Falcons-Aus
Der Wechsel von Sneyking ist die zweite Schlagzeile. Der 31-jährige amerikanische Kapitän verbrachte knapp drei Jahre bei Team Falcons, gewann mit ihnen beim TI 2025 die Aegis und hatte zuvor schon das TI 2022 mit Tundra Esports geholt. Nach Shanghai zog sich Falcons nach einer strategischen Überprüfung komplett aus Dota 2 zurück und verstreute damit einen der stärksten Kader der vergangenen zwei Saisons über die Szene. ATF ist inzwischen bei Team Yandex, skiter bei Aurora Gaming, Cr1t- legt eine Pause auf unbestimmte Zeit ein, und Midlaner Malr1ne ist der Letzte der Gruppe ohne bestätigtes neues Team.
Mehrere dieser ehemaligen Mitspieler werden ebenfalls in Bukarest sein – Sneyking könnte also nur Tage nach dem Trikotwechsel auf den Kern seines alten Teams treffen.
Direkt ins kalte Wasser
PGL Wallachia Season 9 läuft vom 19. bis 27. September mit 16 Teams und einer Million US-Dollar Preisgeld, LGD eröffnen gegen Yakult Brothers. Eine sanfte Landung gibt es für einen Kader, der praktisch noch nie ein offizielles Match zusammen gespielt hat, nicht. Das Talent steht außer Frage, doch gerade die Abstimmung in den ersten Turniertagen ist der Punkt, an dem neue Lineups typischerweise Maps liegen lassen. Wer sich bei den Dota-2-Quoten für die Gruppenphase umsieht, sollte LGD deshalb eher als Pick mit hoher Varianz denn als Favoriten behandeln – bis die ersten Serien zeigen, wie schnell BuLbas System greift.
Was LGD sich letztlich gekauft haben, ist eine Obergrenze nach oben: zwei Spieler, die wissen, wie man The International gewinnt, ein Coach, der schon Kader gedreht hat, und ein junger Carry, der alles zu beweisen hat. Ob sich das schon in Rumänien oder erst später in der Saison 2026/27 in Ergebnisse übersetzt, ist die Frage, die Bukarest diese Woche zu beantworten beginnt.
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