Team Spirits dritter Aegis in Shanghai war die Schlagzeile, doch ein neuer Datensatz über 15 Jahre zeigt: Das war kein Ausreißer. Esports Insider hat jeden Spieler erfasst, der von 2011 bis 2026 bei The International in Dota 2 angetreten ist – 1.282 Spielerteilnahmen über 15 Ausgaben – und sie nach ihrer tatsächlichen Herkunft sortiert, nicht nach dem Sitz ihrer Organisation. Das Bild ist eindeutig: Das Machtzentrum des größten Dota-2-Turniers ist von China nach Osteuropa gewandert, und der Trend beschleunigt sich weiter.
Chinas zehnjähriger Abstieg
China bleibt mit 280 Spielerteilnahmen die am häufigsten vertretene Nation der TI-Geschichte, deutlich vor Russland (138) und Malaysia (85). Chinesische Spieler waren zudem außerordentlich effizient: In 171 dieser Teilnahmen erreichten sie die Top 8 – eine Quote von 61,1 Prozent, die keine andere große Region erreicht.
Fast alles davon wurde allerdings vor 2017 aufgebaut. Zwischen 2011 und 2016 stellte China 140 von 482 Spielerplätzen und 98 der 241 Top-8-Platzierungen dieser Phase; Invictus Gaming (2012), Newbee (2014) und Wings Gaming (2016) hoben den Aegis. Seit Wings: nichts. Chinas Anteil am Teilnehmerfeld erreichte 2015 mit 35 Prozent seinen Höhepunkt, fiel bis 2022 auf 12 Prozent und 2023 auf neun Prozent. Bei der TI 2026 stieg er wieder auf 16 Prozent – doch keiner der 13 chinesischen Spieler in Shanghai kam in die Top 8. Und das vor heimischem Publikum.
Osteuropas Aufstieg ist regional – nicht nur Spirit
Über die fünf Internationals von 2022 bis 2026 kamen 131 Spieler aus Osteuropa, gegenüber 75 aus Westeuropa, 71 aus Südostasien und nur 57 aus China. Der Anteil der Region ist Jahr für Jahr gewachsen: 19 Prozent 2022, 29 im Jahr 2023, 31 im Jahr 2024, 34 im Jahr 2025 und 39 Prozent bei der TI 2026. Die 31 Osteuropäer in Shanghai waren mehr als dreimal so viele wie die neun bei der TI 2019.
Die Masse allein wäre bemerkenswert, doch die Region liefert auch überproportional ab. Osteuropa holte in diesem Fünfjahresfenster 68 der 200 verfügbaren Top-8-Plätze (34 Prozent) bei einem Spieleranteil von 29,8 Prozent – dazu elf Champion-Teilnahmen. Russland (138 Teilnahmen) und die Ukraine (70 Teilnahmen, 32 Top-8-Platzierungen, acht Titelläufe) stehen zusammen für rund 89 Prozent der Gesamtbilanz der Region.
Team Spirit steht im Zentrum dieser Geschichte – und das nicht nur in Dota. Das Counter-Strike-Roster derselben Organisation hat gerade in Porto den zweiten BLAST-Titel in Folge gewonnen. Spirit ist damit einer der wenigen Clubs, die in zwei Tier-1-Esports gleichzeitig die Weltrangliste anführen.
Wo Westeuropa steht
Westeuropa liegt mit 260 Teilnahmen historisch auf Platz zwei und führt mit 26 Champion-Teilnahmen sogar alle Regionen an. Die Top-8-Quote liegt insgesamt bei knapp 50 Prozent und über die letzten fünf TIs bei 65,3 Prozent – konkurrenzfähig, aber nicht mehr dominant. Die späten Bracket-Runden, die China einst allein besetzte, teilen sich heute die beiden europäischen Regionen.
Was das für Wetter bedeutet
Regionale Grundannahmen sind bei der Bewertung eines TI-Brackets entscheidend. Osteuropäische Teams haben sich innerhalb von fünf Jahren von einer Randerscheinung zum größten und effizientesten Talentpool des Turniers entwickelt, und die Daten deuten darauf hin, dass dieser Vorteil strukturell ist und nicht an einem einzelnen Roster hängt. Chinesische Teams dagegen reisen regelmäßig mit starken Heimresultaten an und scheiden früh aus – das sollte man im Hinterkopf haben, wenn ihre Quoten vor dem Turnier verlockend aussehen. Mit dem Ausstieg von Team Falcons aus Dota 2 und Spirits intakter Dynastie lautet die offene Frage für 2027, ob irgendeine Region die Tiefe aufbauen kann, um die Lücke zu schließen. Wer auf einen Herausforderer setzen will, sollte vor frühen Quoten zumindest die Willkommensangebote für Esports-Wetten vergleichen.
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