Riot Games hat seinem Kampf gegen Boosting eine Zahl gegeben: 296.416 Accounts in League of Legends und VALORANT wurden seit Ende 2025 wegen Rang-Manipulation zurückgestuft, gesperrt oder komplett gebannt. Die Zahl stammt aus einem neuen Entwickler-Beitrag zu Vanguard Anti-Boost, jenem Erkennungssystem, das vor einem Jahr still und leise in League gestartet ist und jetzt auch in VALORANT scharf geschaltet wurde. Zugleich bestätigte Riot, dass Multi-Faktor-Authentifizierung und TPM-2.0-Hardwarevoraussetzungen beschleunigt eingeführt werden, um das Problem zu stoppen, bevor es die Rangliste überhaupt erreicht.
Was Anti-Boost tatsächlich erkennt
Anti-Boost sucht nach einem ganz bestimmten Muster: Ein Account steigt im Rating, weil jemand anderes als der eigentliche Besitzer darauf spielt – häufig in der Gruppe mit niedriger platzierten Freunden, die auf der Welle mit nach oben reiten. Riot testete das System ab September 2025 zunächst privat in League of Legends, verfeinerte es rund ein Jahr lang und übertrug denselben Ansatz in diesem Jahr auf VALORANT. Die Durchsetzung werde weiter hochgefahren, heißt es, weshalb die 296.000 bis Ende 2026 noch deutlich wachsen dürften.
Die Begriffe, die Riot verwendet, sind wichtig, denn an ihnen hängen die Strafen. Ein „Booster” ist der stärkere Spieler oder der bezahlte Dienst, der einen fremden Account steuert. Der „Boostee” ist der Account, der den unverdienten Rang erhält. Ein „Hitchhiker” ist jeder, der gezielt mit einem Booster oder Smurf in die Queue geht, um von der aufgeblähten MMR zu profitieren – selbst wenn der eigene Account nie weitergegeben wurde. Und ein „Smurf” ist nach Riots Definition ein Account ohne legitimen Erstbesitzer, also gekauft oder per Bot erstellt.
Die Strafenleiter
Die Sanktionen richten sich nach Rolle und Vorgeschichte des Accounts. Geboostete Accounts verlieren Rangpunkte und Belohnungen und erhalten eine Sperre, die mit jedem Wiederholungsfall länger wird. Gekaufte oder gebottete Smurf-Accounts werden schlicht gebannt, weil Riot ihnen keinen Wert für das Ökosystem zuschreibt. Wiederholungstäter unter den Boostern, deren Hauptaccount bekannt ist, müssen damit rechnen, dass auch dieser gesperrt wird. Hitchhiker verlieren jeden Rang, den sie im Duo mit einem Booster gewonnen haben – Unwissenheit schützt nicht.
Riot zog dabei bewusst eine Grenze zu legitimen Zweitaccounts. Rund neun Prozent der täglich aktiven Ranked-Accounts in beiden Spielen sind Nebenaccounts, und das Studio stellte ausdrücklich klar, dass das Üben neuer Champions oder Agenten, das Spielen mit einer bestimmten Freundesgruppe oder der Versuch, den Spitzenrang zweimal zu erreichen, völlig in Ordnung sind. Bedingung ist, dass der Spieler den Account selbst erstellt, hochgelevelt und gespielt hat und ihn nie aus der Hand gibt.
Hardware-Prüfungen kommen schneller
Langfristig folgenreicher ist der Hardware-Teil des Beitrags. Riot spricht davon, MFA-Beschränkungen und TPM-2.0-Anforderungen in einem „beschleunigten Zeitplan” vorzuziehen. Der MFA-Pilot über Riot Mobile ergab, dass bei 80 bis 90 Prozent der gestohlenen Accounts die Zwei-Faktor-Authentifizierung ausgeschaltet war – das erklärt die Dringlichkeit. Der nächste Schritt ist eine Hardware-Attestierung über Vanguard, die bestätigen soll, dass ein Client auf echter, eigener Hardware läuft und nicht auf einem Wegwerf-Setup. Wer einer verpflichtenden Einführung zuvorkommen will, kann sich bereits jetzt für den Vanguard Pre-Check anmelden. Riot verwies zudem auf generative KI als Grund, nicht länger rein reaktiv handeln zu können, weil das massenhafte Erstellen von Accounts inzwischen fast nichts mehr kostet.
Warum das über die Solo-Queue hinaus zählt
Für die kompetitive Szene ist der Zeitpunkt kein Zufall. VALORANT Champions 2026 startet nächste Woche in Shanghai, die Worlds 2026 stehen vor der Tür, und die Gesundheit der Rangliste ist die Pipeline, die beides speist. Eine sauberere Ladder macht Tier-2- und Challengers-Ergebnisse aussagekräftiger – und damit die Form der Teams leichter lesbar für alle, die vor einem Turnier die Quoten der Esports-Buchmacher vergleichen. Zugleich setzt sich Riot bei der Verifizierung auf Hardware-Ebene von den meisten Mitbewerbern ab, ein Thema, das Valve und Activision bislang deutlich vorsichtiger angehen.
Offen bleibt, wie schnell die Hardware-Anforderungen tatsächlich kommen und wie viele legitime Spieler auf älteren Rechnern beim Übergang hängen bleiben. Konkrete Termine nennt Riot nicht – nur das Versprechen, dass der Zeitplan enger wird.
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